Dienstag, 2. September 2025, 14:53 - Schwere Schwere
Depression ist ein scharfes Schwert. Denn es durchtrennt mich. Nein, es schneidet mich vom Leben ab. Und das ist schwer auszuhalten. Mal ist es zu viel was ich fĂŒhle, mal ist es zu wenig. Mal fĂŒhle ich gar nichts. Dann ist alles nicht mal schwarz. Dann ist da gar nichts. Nichts. Einfach ein tosendes Nichts. Ein belastendes Nichts. Ein Nichts was mich verschlingt, auffrisst. Ausspuckt. Nicht los lĂ€sst. Hinab zieht. Und das alles ohne jede Bewegung. Nur in mir drin, da bewegt es sich. Da ist Krieg.
Es zieht weiter. Langsam und unbarmherzig. Es ist, als wĂ€re Luft ein schweres Pulver, das ich einatme und das mich erstickt. Schritte werden zu Konturen, die ich nicht fĂŒllen kann. Stimmen kommen von weit her â gedĂ€mpft, als sprĂ€chen sie durch Wasser â und trotzdem sind sie nĂ€her als jede BerĂŒhrung. Ich greife nach etwas, das Halt geben könnte, und finde nur GlĂ€tte. NĂ€he brennt. Distanz friert. Alles ist gleichzeitig zu laut und zu leer. Und inmitten dieses LĂ€rms ist nur ein steter, kleiner Widerstand: atmen. Ein Atemzug. Noch einer. Ein winziger Aufstand gegen das Messer, gegen das Nichts, gegen den Krieg in mir.
Es ist schwer. So schwer, dass die Tage sich biegen wie dĂŒnnes Metall unter Druck, dass die Minuten zĂ€hflĂŒssig laufen wie Sirup und meine HĂ€nde beim Greifen durchrutschen. Mein Körper ist eine Landschaft, die unter einer dicken Schicht Nebel begraben liegt â alles ist vernebelt, jede Kante verrundet, jede Hoffnung entleert. Lachen klingt wie ein entferntes Echo, das erstickt, bevor es mein Mund erreicht; Arbeit wird zur Formel, die ich nicht mehr ausrechnen kann; Erinnerungen liegen wie Steine im Magen und verhindern jeden Sprung.
Und wĂ€hrend auĂen die Welt weiterwebt, stehe ich still, als hĂ€tte jemand die Schwerkraft verdoppelt. Jeder Schritt kostet, jede Entscheidung ist ein Kraftakt, und selbst das Aufstehen am Morgen fĂŒhlt sich an wie ein Kampf, den ich nicht gewinnen darf â und doch, immer wieder, zwinge ich mich zu atmen; ein kleiner, trotzig langsamer Atemzug nach dem anderen, als wĂ€re das Atmen selbst ein Akt des Widerstands gegen das, was mich zerreiĂt.