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RotoR

Brumm Brumm Stoner!
RotoR
Rotor Logo

Manche Dinge existieren einfach. Ohne großes Tam-Tam, ohne wabernde Marketingmaschinerie, ohne jeden Versuch, sich in den Algorith­men der Aufmerksamkeitshalden einzurichten. ROTOR ist so ein Ding. Eine Band, die seit 1998 instrumentale Musik spielt – StonerRock, Space-Trip, ProgRock-Riff im Stakkato, mal psychedelisch, mal schwer wie das Ende der Woche auf dem Sofa. 

Das Cover des Vinyl Albums FÜNF der Band RotoR aus Berlin
Das Cover des Vinyl Albums FÜNF der Band RotoR aus Berlin

Wenn ich darĂŒber nachdenke, was „der Sound von ROTOR“ eigentlich ist, bleibt am Ende nicht viel mehr als das unmittelbare GefĂŒhl, das ein Satz aus tiefer, echoverliebter Gitarre, ein pumpender Bass und ein Schlagzeug erzeugen, das nicht einfach nur tickt, sondern atmet. Sie verzichten bewusst auf Worte – nicht aus Mangel an Ideen, sondern weil Sprache in ihrem Universum schlicht ĂŒberflĂŒssig ist. 

Stoner

Der Begriff Stoner fĂ€llt im Zusammenhang mit ROTOR fast automatisch, auch wenn er letztlich nur ein grobes Etikett bleibt. Tiefergestimmte Gitarren, schleppende Grooves, repetitiv-hypnotische Riffs – all das ist da. Aber ROTOR nutzen diese Sprache nicht als Pose, sondern als Werkzeug. Ihr Stoner ist weniger Nebel und Retro-Rock-Klischee, sondern eher eine körperliche Erfahrung: monoton im besten Sinne, tranceartig, konzentriert. Kein Eskapismus, sondern ein Zustand, in den man sich bewusst hineinbegibt – und aus dem man verĂ€ndert wieder auftaucht.

„Sechs“, „Sieben“, „FĂŒnf“ – die Alben heißen simpel, nummerisch, wie Kapitel in einem Werk, das eher spĂŒrt als erklĂ€rt, was es zu sagen hat. Jede Nummer, jeder Songtitel wirkt wie ein Fragment, das im Kopf genauso weitergeht wie auf der Platte. Die Riffs walzen, die Rhythmen drehen sich, und plötzlich ist alles zugleich Zeichen und Bedeutung. 

Live legten ROTOR schon frĂŒh das Fundament ihres Mythos: Leute, die einmal dabei waren, erzĂ€hlen von drĂŒckender Energie, von langen Takes, die so unaufhörlich klingen, als sei der Sound selbst ein eigenes Bewusstsein. Und dann ist da dieses Paradoxon: eine Band, die nicht ĂŒber sich spricht – und gerade deswegen unausweichlich im Kopf bleibt. 

In einer Zeit in der Donald Trump gehörig stinkt, wirkt ROTOR fast wie ein Verweis: Musik ist zuerst Musik. Punkt. Vielleicht ist das nicht unbedingt bequem. Vielleicht ist es genau das Gegenteil davon. Aber es ist echt.

Ich drehe jetzt erst mal die Schallplatte um und spÀter lege ich noch eine andere Scheibe von RotoR auf.

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