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Kleine Kunstwerke

Weblogs und private Websites sind kleine Kunstwerke!

Bei all dem Groll den ich oft gegenüber der Selbstreferenzialität (was für ein Wort und das tu' ich ja hier grad' auch) der Blogoshphäre verspüre, muss ich immer wieder feststellen, dass Weblogs kleine Kunstwerke sind. Sie leuchten in einem durch Social Media Silos (Facebook, Instagram, Twitter…) verkommenen Web und strahlen Individualität, Haltung und Geistigkeit aus. Und da kann man das vielleicht auch durchaus mit dem getunten 2er Golf an der Bushaltestelle in Oberursel oder der Eisenbahnplatte im Keller vergleichen. Lust auf was Eigenes.

Ich mag die Verbindung der Individualität und des Intellekts jedes einzelnen mit der Verknüpfung über das Web, Weblogs, Websites. Selbstverständlich spielt es keine Rolle ob und wie jemand sein trautes Heim, seine Eisenbahnplatte oder seinen Golf getuned hat. Ob mit oder ohne Kommentaren, ob mit Fediverse-Integration oder ohne oder ob er sich der Indieweb-Ideologie verpflichtet fühlt. Auch, welche Themen er bearbeitet ist völlig offen, solange er es aus eigenem Interesse und Antrieb heraus tut, keinen Erwartungen folgt, keine Reichweiten bedient und keine Optimierungslogik erfüllt. Weblogs müssen nichts beweisen, nichts verkaufen, nichts erklären. Sie dürfen roh sein, fragmentarisch, überambitioniert oder banal. Sie dürfen scheitern, sich wiederholen, sich widersprechen und über Jahre hinweg in sich selbst kreisen. Genau darin liegt ihre Freiheit.

Diese bunte, manchmal widersprüchliche Vielfalt der deutschen Blogosphäre ist keine Schwäche, sondern ihre größte Stärke. Sie lebt davon, dass es keinen Kanon gibt, keinen gemeinsamen Nenner, keine Qualitätskontrolle außer der eigenen Haltung. Jeder darf machen, was er möchte – und genau deshalb entsteht Bedeutung. Nicht aus Einheit, sondern aus Reibung. Nicht aus Professionalität, sondern aus Eigenwillen.

Ob jemand über Politik schreibt, über Musik, über das eigene Leben, über Technik, Katzen oder die Eisenbahnplatte im Keller, ist letztlich egal. Wichtig ist nur, dass es echt ist. Dass da jemand sitzt, denkt, fühlt und schreibt – und das Web als offenen Raum nutzt, nicht als Bühne (oder zumindest nur ein bisschen als Bühne). In einer Zeit, in der alles bewertet, gemessen und verwertet wird, sind Weblogs vielleicht einer der letzten Orte, an denen das Nicht-Zielgerichtete noch existieren darf. Und genau deshalb sind sie so wertvoll.

Und deshalb freue ich mich auch besonders über jedes Weblog, bei dem es etwas zu entdecken gilt. Weil die Autorin ganz viel Liebe hinein gesteckt hat. "Weil sie es sich schön gemacht hat". Mit besonderem CSS. Oder besonderer Technik.

Ciao.

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Wir sagen ja! zu Individualität und Eigensinn.
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