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Warum „Gallowdance“ einer der großen Dark-Wave-Songs ist

Es gibt Songs, die nicht einfach nur gehört werden – sie werden gespürt. Hehe. Na, pathetisch genug? „Gallowdance“ von Lebanon Hanover gehört genau in diese Kategorie. Kaum ein anderer Track schafft es so eindringlich, die Essenz von Dark Wave zu bündeln und gleichzeitig etwas Eigenständiges zu erschaffen, das sich der reinen Kategorisierung entzieht. Oder vielleicht auch der Inbegriff der Kategorie Wave ist.

Schon die ersten Sekunden setzen den Ton: ein minimalistischer, treibender Beat, der wie ein kalter Puls durch den Raum schlägt. Darüber legt sich eine fragile, fast geisterhafte Melodie, die sofort eine melancholische Atmosphäre erzeugt. Diese Reduktion ist keine Schwäche, sondern die größte Stärke des Songs. Wo andere Produktionen auf Dichte und Komplexität setzen, arbeitet „Gallowdance“ mit Leere – und genau darin entfaltet sich seine Wirkung.

Ein zentraler Aspekt, der den Song so besonders macht, ist die Stimme. Sie wirkt distanziert, beinahe entrückt, und doch transportiert sie eine rohe, ungefilterte Emotionalität. Es ist kein dramatisches Pathos, sondern eher eine resignierte, stille Verzweiflung, wie sie dereinst nur Kontrast mit dem Einheitsschritt in Ton zu versetzen mag. Diese Ambivalenz zwischen Nähe und Distanz ist ein Kernelement des Dark Wave und wird hier nahezu perfekt umgesetzt.

Auch strukturell folgt „Gallowdance“ keinem klassischen Pop-Schema. Statt auf klare Höhepunkte hinzuarbeiten, bewegt sich der Song in einer Art hypnotischer Schleife. Die Wiederholung ist dabei kein Mangel an Ideen, sondern ein bewusst eingesetztes Stilmittel. Sie zieht den Hörer immer tiefer in eine tranceartige Stimmung, in der Zeit und Raum an Bedeutung verlieren.

Tanz' mit mir den Galgentanz
Solange wir, solange wir noch nicht hängen
Tanz' mit mir den Galgentanz
Solange wir, solange wir noch können

Was „Gallowdance“ zudem zu einem Paradebeispiel für Dark Wave macht, ist seine Fähigkeit, verschiedene Einflüsse zu vereinen. Elemente aus Post-Punk, Minimal Wave und sogar ein Hauch von Coldwave verschmelzen hier zu einem kohärenten Ganzen. Der Song wirkt dabei nie wie ein Patchwork, sondern wie eine organische Einheit.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Produktion. Sie ist bewusst lo-fi und verzichtet auf übermäßige Politur. Dadurch entsteht eine besondere Intimität. Es ist ein Raum voll von Emotionen, die ungefiltert existieren.

Seine Einzigartigkeit liegt letztlich in der Balance. „Gallowdance“ ist gleichzeitig zugänglich und sperrig, emotional und distanziert, minimalistisch und dennoch reich an Atmosphäre. Diese Gegensätze heben sich nicht auf – sie verstärken sich gegenseitig. Genau darin liegt die Magie des Tracks.

In einer Szene, die oft von Nostalgie geprägt ist, schafft es „Gallowdance“, zeitlos zu wirken. Er klingt weder wie eine bloße Hommage an vergangene Jahrzehnte noch wie ein Versuch, modern zu sein. Stattdessen steht der Song für sich selbst – als intensives, fast schon hypnotisches Erlebnis, das die Seele des Dark Wave einfängt und weiterträgt.

Lebanon Hanover - official Gallowdance Video auf Youtube

Besonders eindringlich ist die unterschwellige Todessehnsucht, die sich durch den gesamten Song zieht. Sie wird fast nie plakativ ausgesprochen (außer beim "Baum um sich zu erhängen"), sondern schwingt (hehe) mit jeder Note mit. Es ist keine laute Verzweiflung, sondern ein leises, fast akzeptiertes Verlangen nach Auflösung – nach einem Ende, das eher wie Erlösung wirkt als wie Tragödie. Gerade diese Zurückhaltung macht die Wirkung so intensiv: Der Song zwingt dem Hörer nichts auf, sondern lässt Raum für eigene Projektionen. Dadurch entsteht eine beklemmende Nähe, als würde man einem inneren Monolog lauschen, der sich zwischen Hoffnungslosigkeit und einem merkwürdigen Frieden bewegt.

Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum „Gallowdance“ als einer der größten Songs seines Genres gilt: Er erklärt Dark Wave nicht – er *ist* Dark Wave.

Prisencolinensinainciusol

Kennt ihr diese Geschichte vom großartigen Adriano Celentano? Der meinte, ein Song müsse nur nach englisch klingen, und er würde schon ein Erfolg werden. Er hat sich also hingesetzt und einen Song geschrieben und auch gesungen und aufgeführt, der eine Unsprache bedient und so ähnlich wie englisch klingt, aber gar keine Sprache ist. Der Song war ein Erfolg.

Adriano Celentano singt den 73er Hit Prisencolinensinainciusol auf Youtube

Ich finde das sensationell, und wäre gern so cool wie Adriano.

Reduzieren - Legacy Scrobbler

Ich benutze fürs Fotografieren jetzt eine alte Digital Ixus 70 Digicam und lasse mein Handy immer öfter zu Hause liegen. Jedoch höre ich auch sehr viel Musik. Ich habe meinen iPod Classic (Link) ausgegraben und werde Musik unterwegs damit hören. Mal schauen, wie gut das klappt :-) Allerdings scrobble ich trotzdem gern meine gehörte Musik seit circa 2009 zu Last.FM (hier sieht man meine Hörgewohnheiten). Jedoch… wie soll das mit einem internetfreien Gerät heutzutage funktionieren?

Früher gab es dafür extra eine Last.FM Software, die die Plays aus einem Gerät auswerten und quasi nachträglich an Last.FM übermitteln konnte. Und genau das gibt es heute auch noch. Den Legacy Scrobbler.

Die Legacy Scrobbler App auf dem Mac
Die Legacy Scrobbler App auf dem Mac

Die Software gibt es für Mac, Linux und Windows und enables users to sync their listening history from offline devices to their Last.fm profile, preserving their music legacy in the digital era. iPod anstecken, bei Last.FM erlauben, scrobbeln.

Legacy Scrobbler
Legacy Scrobbler is a software that bridges the gap between legacy hardware, and the music platform Last.fm. It enables users to sync their listening history from offline devices to their Last.fm profile, preserving their music legacy in the digital era.

Übrigens gibt es auch noch den OpenScrobbler. Mit diesem Tool kann man Songs und Alben, die man im Radio, auf Vinyl oder an einem anderen Ort gehört hat, wo man manuell scrobbeln muss, scrobbeln.

Open Scrobbler
Scrobble songs and albums you heard on the radio, vinyl or at some place where you need to manually scrobble.

Ein Foto meines iPods:

Mein iPod Classic (mit dem Song Envious der mighty Hellacopters) neben dem Xteink X4.
Mein iPod Classic (mit dem Song Envious der mighty Hellacopters) neben dem Xteink X4.

Living the Dream (.Note)

Syncing the iPod Classic 📱 via Powermac G5 ♥️

Powermac G5 Dual Core 2 GHz PPC970, 12 GB-Ram und iPod classic 6th Gen 80 GB White
Powermac G5 Dual Core 2 GHz PPC970, 12 GB-Ram und iPod classic 6th Gen 80 GB White

Als dieser Computer und der iPod Classic aktuell waren, hätte ich mir so ein Setup niemals leisten können.

Über den iPod werde ich gesondert einen Artikel veröffentlichen. Vintage Computing Love. Über den Powermac gibt es schon ein ganzes Weblog.

Was and is now forever one of the Grateful Dead

Warum ich Spotify meide(n sollte)

Da ich gestern eine mini Übersichtsseite "zuletzt gehört" erstellt habe und seit längerem schon "mein eigenes Spotify" betreibe, wollte ich noch mal kurz auflisten, warum man Spotify heute eher nicht mehr nutzen sollte, oder vielleicht immerhin weniger. Der Dienst wird vor allem dafür kritisiert, weil er Künstlern nur sehr geringe Tantiemen (ca. 0,003 - 0,005 USD pro Stream) zahlt, was besonders für kleinere Musiker existenzbedrohend ist. Weitere Gründe sind umstrittene Inhalte, hohe Energieverbräuche der Server, mangelnde Transparenz bei Algorithmen, eine Tendenz zur Sperrung von Nutzerdaten-Exporten und Investitionen des Managements in umstrittene KI-Militärtechnologie. Hier sind die Hauptgründe, Spotify zu meiden: 

  • Geringe Vergütung für Künstler: Spotify steht in der Kritik, Künstler nicht angemessen zu bezahlen. Viele Musiker verdienen kaum genug, um ihre Produktionskosten zu decken, da die Auszahlungen pro Stream extrem niedrig sind.
  • Ethik und Investitionen: Spotify-CEO Daniel Ek investierte in ein KI-Unternehmen, das Militärtechnologie entwickelt, was viele Nutzer als ethisch fragwürdig empfinden. Zudem gab es Kritik an Werbung für politisch kontroverse Akteure.
  • Problematische Inhalte: Spotify geriet wegen der Förderung exklusiver Podcasts mit teils kontroversen oder nicht ausreichend geprüften Inhalten in die Kritik.
  • Datenschutz und Nutzerbindung: Es wird berichtet, dass Spotify den Export von Playlists zu anderen Diensten erschwert, um Nutzer an die Plattform zu binden (Vendor Lock-in).
  • Umweltauswirkungen: Der Betrieb der massiven Rechenzentren für das Streaming verbraucht große Mengen an Energie.
  • Qualität und Algorithmen: Die Empfehlungsalgorithmen bevorzugen oft etablierte Künstler, während unabhängige Künstler schwerer sichtbar werden. Zudem wird die "Lossless"-Audioqualität (HiFi) im Vergleich zur Konkurrenz kritisiert. 

Als Alternativen werden oft Dienste wie Bandcamp (direkterer Kauf bei Künstlern, KI-frei), Tidal (bessere Vergütung) oder Apple Music (weiß ich nicht) genannt. 

Spotify hat für die Amtseinführung von Donald Trump im Januar 2025 rund 150.000 US-Dollar gespendet. Zusätzlich richtete der Streamingdienst einen Brunch anlässlich der Zeremonie aus. Diese finanzielle Unterstützung reiht sich in eine Serie von Spenden verschiedener Tech-Giganten für die Vereidigungsfeierlichkeiten ein. (Link)

Christian hat noch ein paar wichtige Argumente bezüglich Spotify, die ich hier verlinken möchte.

Musik hören, Musik wissen

Weil ich gern Musik höre und auch gern mal bei anderen stöbere und mich inspirieren lasse, mag ich Listen. Von Spotify [1] oder Last.fm oder sonst einem Anbieter. Ich aggregiere tatsächlich alles bei Last.fm, egal welche Quelle es war. Und jetzt habe ich mir die API angeschaut und eine kleine Übersichtsseite gebaut, die meine Top Tracks, Top Albums und Top Bands auflistet. Drei Top 10 quasi.

Im Hintergrund arbeitet ein Python Script, was die Daten via Cronjob alle 5 Minuten bei Last.fm abruft, in json.files speichert und ich diese dann wiederum auf meiner custom-hbs Seite auslese. Vorteil: ein bisschen schneller als bei jedem Aufruf clientseitig die API von Last.fm zu bemühen. Ich habe das konkret puristisch gehalten, die API würde sonst noch die Anzahl der Scrobbles etc. ausgeben, das brauche ich aber nicht.


  1. Eher nicht mehr. ↩︎

💡
Hier findet ihr meine Musik-Seite.

Wenn ihr Bock habt, zeigt eure Musik, ich mag das.

Webmention-Test

Blancmange (.vinyl)

Blancmange war ein britisches Popduo, bestehend aus dem Sänger Neil Arthur und dem Keyboarder Stephen Luscombe. Sie waren in den 1980er Jahren und ab 2010 erneut aktiv.

Ein Schallplatten Cover liegt auf einem Holztisch. Auch eine Vase und ein Blumentopf.
Ein Schallplatten Cover liegt auf einem Holztisch. Auch eine Vase und ein Blumentopf.

Mir ist mehrfach im Vorbeihören der Song Blind Vision unter gekommen.

Ein Schallplatten Cover liegt auf einem Holztisch
Ein Schallplatten Cover liegt auf einem Holztisch
Ein Schallplatten Cover liegt auf einem Holztisch. Auch eine Vase und ein Blumentopf.
Ein Schallplatten Cover liegt auf einem Holztisch. Auch eine Vase und ein Blumentopf.

Kennzeichnend für Blancmange war – neben der Stimme – der vom Synthesizer geprägte Sound in Verbindung mit einer deutlich hörbaren Affinität zur indischen Musik. Sowohl auf den Alben als auch bei Live-Auftritten wirkten indische Musiker mit und orientalische Rhythmen, Perkussions- und Sitarklänge wurden in den Synthie-Sound eingewebt. Bei Konzerten trugen Arthur und Luscombe häufig ein Bindi (Tika) auf der Stirn.

RotoR

Manche Dinge existieren einfach. Ohne großes Tam-Tam, ohne wabernde Marketingmaschinerie, ohne jeden Versuch, sich in den Algorith­men der Aufmerksamkeitshalden einzurichten. ROTOR ist so ein Ding. Eine Band, die seit 1998 instrumentale Musik spielt – StonerRock, Space-Trip, ProgRock-Riff im Stakkato, mal psychedelisch, mal schwer wie das Ende der Woche auf dem Sofa. 

Das Cover des Vinyl Albums FÜNF der Band RotoR aus Berlin
Das Cover des Vinyl Albums FÜNF der Band RotoR aus Berlin

Wenn ich darüber nachdenke, was „der Sound von ROTOR“ eigentlich ist, bleibt am Ende nicht viel mehr als das unmittelbare Gefühl, das ein Satz aus tiefer, echoverliebter Gitarre, ein pumpender Bass und ein Schlagzeug erzeugen, das nicht einfach nur tickt, sondern atmet. Sie verzichten bewusst auf Worte – nicht aus Mangel an Ideen, sondern weil Sprache in ihrem Universum schlicht überflüssig ist. 

Stoner

Der Begriff Stoner fällt im Zusammenhang mit ROTOR fast automatisch, auch wenn er letztlich nur ein grobes Etikett bleibt. Tiefergestimmte Gitarren, schleppende Grooves, repetitiv-hypnotische Riffs – all das ist da. Aber ROTOR nutzen diese Sprache nicht als Pose, sondern als Werkzeug. Ihr Stoner ist weniger Nebel und Retro-Rock-Klischee, sondern eher eine körperliche Erfahrung: monoton im besten Sinne, tranceartig, konzentriert. Kein Eskapismus, sondern ein Zustand, in den man sich bewusst hineinbegibt – und aus dem man verändert wieder auftaucht.

„Sechs“, „Sieben“, „Fünf“ – die Alben heißen simpel, nummerisch, wie Kapitel in einem Werk, das eher spürt als erklärt, was es zu sagen hat. Jede Nummer, jeder Songtitel wirkt wie ein Fragment, das im Kopf genauso weitergeht wie auf der Platte. Die Riffs walzen, die Rhythmen drehen sich, und plötzlich ist alles zugleich Zeichen und Bedeutung. 

Live legten ROTOR schon früh das Fundament ihres Mythos: Leute, die einmal dabei waren, erzählen von drückender Energie, von langen Takes, die so unaufhörlich klingen, als sei der Sound selbst ein eigenes Bewusstsein. Und dann ist da dieses Paradoxon: eine Band, die nicht über sich spricht – und gerade deswegen unausweichlich im Kopf bleibt. 

In einer Zeit in der Donald Trump gehörig stinkt, wirkt ROTOR fast wie ein Verweis: Musik ist zuerst Musik. Punkt. Vielleicht ist das nicht unbedingt bequem. Vielleicht ist es genau das Gegenteil davon. Aber es ist echt.

Ich drehe jetzt erst mal die Schallplatte um und später lege ich noch eine andere Scheibe von RotoR auf.

Strudel (.notes)

Ich bin immer noch geflashed von Strudel. Wie cool ist das bitte?

Strudel Music ist eine webbasierte Live-Coding-Plattform, die auf der algorithmischen Sprach- Familie Tidal Cycles basiert und es ermöglicht, durch das Schreiben von Code in Echtzeit dynamische, sich entwickelnde Musikstücke zu komponieren und zu manipulieren, oft mit Fokus auf rhythmische Muster, ist aber auch für Melodien und komplexere Kompositionen nutzbar. Es ist eine Open-Source-Umgebung in JavaScript, die sowohl für Anfänger als auch für Experten gedacht ist, um mit Mustern und Rhythmen in Echtzeit zu experimentieren, ohne umfangreiche Vorkenntnisse. 

2 Minutes Deep Acid in Strudel

Wahrscheinlich ein alter Hund, bin ich erst kürzlich drüber gestolpert. Ich habs mir lokal installiert und spiele damit rum.

Bandcamp verbietet KI-Musik (.notes)

Umarmen oder verbannen? Die Kreativindustrie ringt gerade um ihren Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI). Die Musik-Plattform Bandcamp hat für sich einen Weg gefunden: Die Verantwortlichen schließen KI-generierte Musik aus. Musik solle von Menschen geschaffen werden, begründen sie.

Betreiber verbannen KI-generierte Musik von der Musikplattform Bandcamp
Die Betreiber der Musikplattform Bandcamp verbieten KI-generierte Musik. Musik solle von Menschen geschaffen werden, begründen sie.

Jazz

Es gibt eine bestimmte Art von Freiheit, die ich fast ausschließlich im Jazz der 1960er Jahre finde. Eine Freiheit, die ohne Worte auskommt und gerade deshalb so viel sagt. John Coltrane, Art Blakey, Miles Davis – Namen, die man beinahe ehrfürchtig aufzählt, obwohl es mir eigentlich weniger um den Kanon geht als um das Gefühl, das diese Musik bis heute in mir auslöst.

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Diesen Beitrag habe ich auf HerrMontag.de erneut veröffentlicht, weil in diesem Weblog doch nicht der richtige Platz dafür ist.
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