Monsieur Lundi 🌙

longpost

Ich habe mir vorgenommen, häufiger größere Texte zu schreiben und gestern damit begonnen. Damit das klappt muss ich aber auch etwas erleben, was mir oft schwer fällt. Deshalb werde ich einkaufen gehen. Ich muss. Auch, damit mir warm wird. Denn ich lebe in einer Dachgeschosswohnung, hoch über der Geschichtsstadt (Beiträge zur Stadt), mit Blick auf den Dom und nachts kann ich den Fluss flüstern hören. Aber das befreit mich nicht von all den Nachteilen, die so eine Dachgeschosswohnung aufweist. Viele Treppenstufen, zu warm im Sommer, zu kalt im Winter. Und letzteres ist gerade overwhelming, wie der Engländer wahrscheinlich niemals sagen würde. Die Wohnung ist eine Art Loft und im großen Raum, da wo unter anderem auch meine Vintage Vinyl Stereo Anlage steht, da ist der große Heizkörper (2 Meter Länge) ausgefallen. Über Jahre angesammelter Abrieb in den alten Rohrleitungen hat den Heizkörper verschlammt, bis er nicht mehr spülbar ist. Und ausgetauscht werden muss. Jetzt. An den Feiertagen. Das klappt natürlich nicht.

Ich habe bereits allerlei Rabatz veranstaltet. Die Klempnerfirma hat geprüft und einen Kostenvoranschlag erstellt, der Eigentümer der Wohnung hat diesen über die Hausverwaltung zugestellt bekommen und frei gegeben. Und jetzt geht es um die Terminvereinbarung. Diese kann aufgrund von Betriebsferien allerdings erst ab dem 05.01. überhaupt erfolgen. Und dann brauchen wir einen gemeinsamen Nenner. Ich bin sicher nicht der Einzige mit #Gründerzeithausheizungsproblemen. Es bleiben kalte 16,7 Grad, wärmer kann ich die Wohnung nicht mehr aufheizen. Und da haben wir noch gar keinen richtigen Winter, wie man so sagt. Mit -10 Grad etc. pp., wenn Eis die Landschaft flutet und alles zerfriert, wie damals '74. Es muss hier also schnell Abhilfe geschaffen werden. Das ganze geht übrigens seit 05. November.

Auf jeden Fall habe ich einen ausgiebigen MorgenMittagsspaziergang vollzogen, das war schön. Allerdings war es ähnlich windig wie gestern, die 0 Grad Außentemperatur fühlten sich heute im Auge des Sturms wie -5 Grad an. Aber ich habe mich geerdet.

Ein Park, die Sonne fällt durch karges Baumwerk

Ein Park, die Sonne fällt durch karges Baumwerk.

Ich lief durch den Luisenpark und dann über das neue Papierwehr. Es wurde aufgrund von Hochwasserschutz über 2 Jahre lang komplett neu aufgebaut, gleichzeitig mit dem angrenzenden Dreibrunnenbad, und steht nun wieder zur Verfügung. Dort hinten gehen die beliebtesten Spaziergängerwege entlang, links und rechts der Gera.

Das Papierwehr in Erfurt mit neuer Brücke.

Das Papierwehr in Erfurt mit neuer Brücke.

Von dort ging es weiter durch den Bachstelzenweg in Richtung Bischleben, einem Dorf unweit Erfurts, dass ca. 5 Km entfernt ist. Läuft man von mir durch den Luisenpark und am Fluss entlang bis nach Bischleben und zurück, hat man ziemlich genau 10 Km geschafft. Durch und am Thüringer Wald, dem Steigerwald von Erfurt, entlang.

Insgesamt waren es 8,7 Km die ich heute gelaufen bin und das ist gar nicht mal so wenig, wenn man bedenkt, dass ich nur ein paar Schritte gehen wollte. Zum Schluss kam ich an der GFAW vorbei, ein bisschen Brache vor der Tür und habe festgestellt, dass der Winter und die Einöde einer Stadt und ihre Brachen dem Besucher nicht gerade schmeichelt.

Blick auf das Hauptgebäude der GFAW, der Winter schmeichelt dem brachliegenden Gelände nicht.

Blick auf das Hauptgebäude der GFAW, der Winter schmeichelt dem brachliegenden Gelände nicht.

Die Runde beendete ich über den lokalen Kana-Döner, den besten der Stadt, denn ich habe ja hier und dort schon Kalorien verbraucht (größte Lüge häufig). Wenig später schrieb ich so gestärkt ein Schreiben an die Hausverwaltung aufgrund der untragbaren Zustände ob der Heizungsnot. Nur einkaufen war ich nicht. Ich dachte mir, als ich so vor mich hin spazierte, dass da noch so viele Dinge in meinem Speicher lagern, als dass ich “Fünfe grade sein lassen kann” und einfach so davon zu leben vermag. Gesagt – getan. Noch spricht allerdings der Döner aus mir.

Schaun' wir mal was wird – was wird.

PS: Ich habe mir heute Gedanken darüber gemacht, wie ich meinen kurzweiligen Stumblr Content von meinen längeren Beiträgen abgrenzen könnte, ohne noch ein Weblog ausetzen zu müssen. Meine .microblog Stumblr-Beiträge folgen alle einem Titel der aus Datum und eventuell dem ersten Hashtag im Text bestehen. Meine langen Beiträge haben normale Titel. Ich werde diese zusätzlich mit einem (long post) im Titel benamen und den Hashtag #longpost einfügen. Das gilt so lange, bis mir etwas besseres eingefallen ist.

#longpost

So. Jetzt ist es angebrochen. Das neue Jahr. So, wie die Packung mit den Kaffee-Pads. Oder eine Schachtel Zigaretten. Obschon ich das Rauchen aufgegeben habe, ist es doch immer noch manchmal ein Thema in meinem Geiste. Dann stelle ich mir vor, wie glorreich es war, zu rauchen, in Kneipen zu sitzen, Vodka zu trinken und zu rauchen. Schachtelweise. Aber weil ich in mir drin weiß, insgeheim, wie schädlich das ist und außerdem, wie nervig es ist, sämtliche Kleidungsstücke bereits im Eingangsbereich des Gründerzeithauses abzulegen, weil es einfach so sehr nach Rauch stinkt, das Rauchen, bleiben es Gedankenspiele. Denn nichts ist heroisch daran. Das weiß mittlerweile auch der gute alte Marlboro Mann.

Der berühmteste Darsteller des Marlboro Mannes war wohl Wayne McLaren, der diese Figur 1976 in einer Werbekampagne spielte. Nach langjährigem und starkem Zigarettenkonsum starb er 1992 im Alter von 51 Jahren an Lungenkrebs. Bereits 1987 war der Darsteller David Millar an einem Lungenemphysem gestorben. 1995 starb der Schauspieler und Marlboro Man David McLean an den Folgen des Rauchens. Eric Lawson, Darsteller in Anzeigen zwischen 1978 und 1981, starb am 10. Januar 2014 im Alter von 72 Jahren an chronisch obstruktiver Lungenerkrankung.

Wenn in dieser Welt die Marlboro Männer reihenweise an Krebs, mutmaßlich durch Zigarettenkonsum verursacht, sterben, dann kann da nichts Gutes dran sein. Nein zum Rauch.

Der 31.12. war ein entspannter Tag. Die Sonne schien sogar ein kleines bisschen, es war ungefähr 0 Grad warm und auch meine Dachgeschosswohnung, obgleich oft kühl, konnte mit der Situation umgehen. Gegen Abend war ich bei Freunden zu Gast, es gab Raclette und ich aß sehr viel. In diesen winzigen Pfannen sammelten sich allerlei Dinge an, und da man über Stunden hinweg isst, was mich aber nicht davon abhielt, wie ein Berzerker in mich hinein zu schaufeln, als ob es kein Morgen (HA! Es gibt ja auch keinen Tag nach dem 31.12., denn es ist der letzte Tag) gäbe, nach Stunden des Verzehrs, war mein Körper sichtlich überfordert mit der Situation und versuchte, sich abzuspalten. Ich hatte auch noch ein Helles. Helles Bier in meinem Bauch, gepaart mit stundenlanger Völlerei, kann zu einem Supergau werden. Und dann stand plötzlich diese Flasche Sambuca da, wahrscheinlich für „die Verdauung“. Ich überlegte noch, ob nicht jedes Land eine Art Sambuca (Deutscher Küstennebel, alles mit Anis oder Kümmel) besäße und versuchte, die anderen Gäste von dieser Idee zu überzeugen, aber da war es nach vier Runden Knack (ein Kartenspiel) bereits 0 Uhr und wir mussten hinaus. Hinaus in diese Welt. Diese Welt, die mir mit diesen Böllern so fremd geworden ist. Obwohl ich verstehe, dass wir hier und da, hin und wieder, einfach auch Geister vertreiben müssen, kenne ich doch meine eigenen Dämonen nur zu gut.

Ich hatte gestern keinen einzigen Silvesterknaller in der Hand. Aber die Kinder waren zufrieden. Ich hatte dort auch das Gefühl, es sei deutlich weniger geworden. Aber ich kann mich gut auch irren. Denn zu dieser Zeit hatte ich drei Helle, vier 4 cl Sambuca und allerlei verzehrenden Unrat in mir.
Gegen 2 Uhr nachts neigte sich auch dieser überlange letzte Tag des Jahres dem Ende zu. This is the End hörte ich Jim noch singen, während ich eine Nacht des Betrunkenseins mit sehr viel Mahlzeit in mir durchlebte. Ein Völlegefühl sondersgleichen. Und überlebte.

Ziemlich neben mir versuchte ich heute Morgen, am allgemeinen Leben teilzunehmen. Viel mehr als einen Kaffee und etwas Konversation konnte ich aber nicht bieten. Und doch gefällt es mir manchmal recht gut. So verlebt zu sein. Sich zu erden. Es darf natürlich nicht zu schlimm sein. Wenn man sich übergeben muss, dann ist das keine gute Idee. Aber wenn man so ein bisschen verlebt ist, einen schönen Abend mit Freunden hatte und dann etwas vor sich hin darbt am nächsten Tag, dann ist das Leben gut, meine Damen und Herren. Leben! Später waren wir gegen 11 Uhr unseren Neujahrsspaziergang vollführen. Es war sehr windig. Viel kälter, als es das Thermometer mit seinen 1 Grad hat ahnen lassen. Aber durch den Wind, der hier und da durch die Bäume zurrte und über Wiesen galoppierte, war es gefühlt deutlich kühler. Und so spazierten wir ca. zwei Stunden durch die brachliegende Natur, alles war grau, kalt, windig und verbraucht. Dazu gesellten sich dereinst stolze Raketenstöcker und Böllergranatenkisten, jetzt umgekippt und ausgebrannt im Rinnstein. „So ausgebrannt wie meine Seele“, dachte ich. Aber nicht heute. Heute schöpfe ich Kraft und Freude aus der Vergänglichkeit meiner selbst, erfahren durch den Alkohol-Kater des Silvesterabends.

Ganz genau. Die gefühlte Kälte der Menschen.

Später fuhr ich, wieder bei Kräften – man weiß gar nicht, wie viel Energie so ein Spaziergang zurückgeben kann –, zu meinem Freund Helge. Das tue ich jeden Neujahrstag seit 2012. Es ist hierbei wie bei Johnny Hills „Blumen für Mutti“: Am Ende besuche ich Helge nämlich auf einem kleinen Landfriedhof in Eschenbergen. An einem Hügel gelegen, ist es immer ein bisschen Morgendämmerung, und oft stibitzen sich Sonnenstrahlen übers Feld, wenn ich dort bin. Und immer herrschen Kälte, Wind und Sturm. Helge Knoll starb Silvester 2012 an Krebs, nur 32 Jahre alt geworden, und so zolle ich ihm Tribut.

Jetzt programmiere ich gerade etwas auf GitHub, und im „Radio“ läuft dieser eine 80s-Darkwave-Song, den ich gleich noch mal nachschlagen muss, weil er oft läuft, nichts Besonderes ist und mich dennoch immer aufhorchen lässt. Ich werde ihm auf die Schliche kommen.

Es ist der Song Blind Vision von der Gruppe Blancmange. Die Langversion des Songs ist absolut radiountauglich, sie dauert nahezu 10 Minuten, und ich liebe alles daran. Fast schon progrock-mäandernd.

Hallo 2026, ich bin gespannt, was ich aus dir machen werde.

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